Handlungsschritt II: Lernsituation legitimieren

  Baustein II.4: Inhalte curricular einbinden


Im vorigen Baustein haben Sie die ermittelten Inhalte (Schlüsselprobleme und Fragen der Praxis) den jeweiligen Lernbereichen und Lernfeldern zugeordnet. Darüber hinaus haben Sie auch einen Abgleich mit Ihren länderspezifischen Richtlinien vorgenommen. Jetzt kann der nächste Schritt zur curricularen Einordnung erfolgen.

 

 
Ziel Vorgehensweise und Ergebnis

Eine curriculare Einbindung des Themas in die dreijährige Ausbildung kann nur dann erfolgen, wenn ein Curriculum existiert. Sollte dies nicht der Fall sein, können Sie einzelne thematische Einheiten curricular gestalten.






Überlegen Sie im Team, auf welcher Basis Ihr Curriculum für die dreijährige Ausbildung beruht:

  • Spiralförmiges Konzept: Ein Thema wird über drei Jahre verteilt, wobei eine kontinuierliche Steigerung der Komplexität vorliegt. Dabei werden immer wiederkehrende Konzepte, Strukturen und Begriffe innerhalb der gleichen Thematik aufgenommen.
  • Gestuftes Konzept: Verschiedene Themen werden linear mit steigender Komplexität angeordnet. Ein Thema ist abgeschlossen und ein neues Thema beginnt mit einem höheren Abstraktionsgrad.

(siehe Exkurs: Curriculum)

Je nach getroffener Entscheidung ordnen Sie die Inhalte den drei Ausbildungsjahren zu.

Hinweis

In der Unterrichtspraxis existieren häufig Mischformen. Zeitliche und personelle Engpässe verhinderten bislang in vielen Fällen eine konsequente curriculare Planung für alle drei Ausbildungsjahre. Erst wenn ein gesamter Überblick der thematischen Einheiten existiert, ist es möglich, eine sinnvolle Entscheidung für eine curriculare Struktur der Gesamtausbildung zu treffen.

Exkurs: Curriculum


Der Begriff Curriculum wird stets mit dem Namen Saul B. Robinsohn verbunden, der dafür sorgte, dass die Curriculumentwicklung in den 60er Jahren in Deutschland eine Renaissance erfuhr. Ein Curriculum konkretisiert eine Rahmenrichtlinie, indem den Lehrenden konkrete Hinweise für ihre Unterrichtsgestaltung und die Überprüfung des Unterrichts gegeben werden. Neben Materialien, aber vor allen Dingen begründeten Zielen und verschiedenen didaktischen Kommentaren liefert ein Curriculum wichtige Prinzipien für die Unterrichtsplanung, -durch­führung und -evaluation (Deutscher Bildungsrat 1974, 21). Ein Curriculum vereinigt sowohl Bildungsziele (Persönlichkeitsentwicklung) als auch Qualifikationsziele (Verwertbarkeit für konkrete Anwendungssituationen). Es werden zwei Arten von Curricula unterschieden:

  • geschlossene und
  • offene.

Geschlossene Curricula schreiben alle Aspekte wie z. B. Inhalte, Ziele sowie Unterrichtsstunden vor. Das vorrangige Ziel geschlossener Curricula ist die einheitliche Verfolgung bestimmter Mindestanforderungen (Pahl, Ruppel 2001, 84).
Offene Curricula besitzen einen geringen Festlegungsgrad, der sich sowohl auf das Verhältnis der Lehrenden und Lernenden bezieht als auch auf die Rolle und den Aufbau des Curriculums selbst. Lehrende und Lernende werden zu Curriculumkonstrukteuren, indem sie aktiv ihren Unterricht gemeinsam gestalten (Knigge-Demal 2001, 43).
Da die Pflegeausbildung eine berufliche Qualifizierung darstellt, haben alle momentan existierenden Curricula den Berufsbezug ausgewiesen. Derartige berufsbezogene Curricula orientieren sich an beruflichen Arbeitsprozessen bzw. deren beruflichen Tätigkeiten oder pflegerelevanten Schlüsselproblemen. Viele Bildungseinrichtungen haben in den letzten Jahren eigene Curricula entwickelt, wobei zwei grundsätzliche Konzepte vorzufinden sind:

  • Spiralcurriculum,
  • gestuftes Curriculum.

Das Prinzip eines Spiralcurriculums ist, dass einzelne Wissensgebiete, aber auch Strukturen, Konzepte und Grundbegriffe konzentrisch in bestimmten zeitlichen Intervallen immer wieder aufgegriffen und angeboten werden (Georg, Grüner, Kahl 1991, 185). In aufeinanderfolgenden Ausbildungseinheiten (z. B. Unterrichtsblöcken oder Ausbildungsjahren) werden gleiche Thematiken behandelt, die im jeweils darauf folgenden Abschnitt immer gründlicher und ausführlicher besprochen werden (Georg, Grüner, Kahl 1991, 129). Dabei steigt die Komplexität des Themas kontinuierlich an. Für die Umsetzung des Lernfeldkonzeptes bedeutet dies, dass einzelne Lernfelder mit ihren fächerintegrativen Inhalten nicht komplett in einer Sequenz vermittelt werden, sondern über mehrere Sequenzen (Lerneinheiten) auf die dreijährige Ausbildung verteilt werden. Des Weiteren können aber auch unterschiedliche thematische Lernfelder, deren verbindendes Glied in den gleichen Strukturen bzw. Konzepten liegt, gleichzeitig unterrichtlich dargeboten werden. 

Anders verhält es sich bei dem Konzept des gestuften Curriculums. Hier werden die Inhalte und Aspekte eines Themas linear dargeboten und durch bestimmte Lerneinheiten abgeschlossen. Somit existieren in sich abgeschlossene thematische Einheiten (Stufen), die dem althergebrachten Stufungsgedanken folgen:

  • vom Einfachen zum Komplexen
  • vom Konkreten zum Abstrakten
  • vom Elementaren zum Speziellen
  • vom Praktischen zum Theoretischen (Muster-Wäbs, Ruppel, Schneider 2005, 22f).

Literatur:
Georg, W., Grüner, G., Kahl, O. (1991): Kleines Berufspädagogisches Lexikon (7. Auflage). Bielefeld: Bertelsmann Verlag.
Muster-Wäbs, H., Ruppel, A., Schneider, K. (2005): Lernfeldkonzept verstehen und umsetzen. Neue Pädagogische Reihe – Bd. 2 (1. Auflage). Brake: Prodos Verlag.
Deutscher Bildungsrat (Hrsg.) (1974): Zur Förderung praxisnaher Curriculumentwicklung. Empfehlungen der Bildungskommission. Bonn
Knigge-Demal, B. (2001): Curricula und deren Bedeutung für die Ausbildung. In M. Sieger (Hrsg.), Pflegepädagogik. Handbuch zur beruflichen Bildung. Bern: Hans Huber, S. 41 - 55.
Pahl, J.-P., Ruppel, A. (2001). Bausteine beruflichen Lernens im Bereich Technik. Teil 1: Unterrichtsplanung und didaktische Elemente (2. überarbeitete und geänderte Auflage). Alsbach: Leuchtturm-Verlag.
Schneider, K., Barkmann, E., Depping, D. (2005): Curricularer Umsetzungsauftrag von Gesundheits- und Pflegeschulen. In Werkstattbücher Pflege heute. Themenbereiche und Lernfelder im Pflegeunterricht (1. Auflage). München: Urban & Fischer.


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