Handlungsschritt III: Lernsituation planen

  Baustein III.7: Lernerfolgskontrolle auswählen


Sie haben nun Ihren Unterrichtsablauf detailliert geplant und jeweils Methoden für die Erarbeitung der Inhalte festgelegt. Im nächsten Schritt bestimmen Sie, welche Lernerfolgskontrollen Sie in die Lernsituation integrieren möchten.

 

 
Ziel Vorgehensweise und Ergebnis

Die Instrumente zur Überprüfung der vier Teilkompetenzen (Personal-, Sozial-, Methoden- und Fachkompetenz) liegen fest.






Die Teilkompetenzen, die in der jeweiligen Lerneinheit gefördert werden, bestimmen die Auswahl der Instrumente zur Lernerfolgskontrolle. Darüber sollten Sie im Team eine Einigung finden.
Z.B. gibt die Klausur Aufschluss über die Fachkompetenz; die Präsentation liefert Hinweise für die Methodenkompetenz, die Arbeit in Gruppen lässt Rückschlüsse zur Sozialkompetenz zu und die Personalkompetenz kann anhand des Lerntagebuches erschlossen werden.

Hinweis

Nicht die Kompetenzen werden überprüft, sondern deren Indikatoren, die durch Verhalten, Strategien oder Produkte beobachtbar und beurteilbar sind.

Exkurs: Lernerfolgskontrolle


Lernerfolgskontrollen verfolgen kontroverse Ziele, die zwischen Förderung und Selektion liegen. Förderung bedeutet, dem Lernenden eine individuelle Rückmeldung über seinen Lernstand zu geben, ohne dass damit eine Notengebung verbunden wäre. Selektion fußt auf einer notenbasierten Einschätzung des Lernenden, die seinen Leistungsstand zu einem bestimmten Zeitpunkt in Form von konventionalisierten Noten wiedergibt.

Die Bezugsbasis für Lernerfolgskontrollen stellt seit den KMK-Handreichungen von 1996 die berufliche Handlungskompetenz dar, die sich aus den vier Teilkompetenzen

  • Fachkompetenz
  • Methodenkompetenz
  • Personalkompetenz
  • Sozialkompetenz

zusammensetzt. Die Altenpflegeausbildung wird mit drei Prüfungsbestandteilen (schriftlich, praktisch und mündlich) abgeschlossen, wobei die einzelnen Teilkompetenzen sich anteilmäßig unterschiedlich in den drei Prüfungsarten wiederfinden. Jede Teilkompetenz kann bzw. wird sowohl im Unterricht als auch später in der Lernerfolgskontrolle mit spezifischen Methoden bzw. Instrumenten gefördert und kontrolliert.

Für die Übung und Überprüfung der Methodenkompetenz eignet sich vor allen Dingen die Präsentation. Zur Überprüfung der Fachkompetenz bleibt auch weiterhin die Klausur das geeignete Instrument, um ökonomisch, zielgerichtet und annähernd objektiv zu einer Beurteilung zu gelangen. Hier wird die Sachnorm zugrunde gelegt, d. h., es werden vorher festlegte Kriterien vereinbart und den Lernenden bekannt gegeben. Bei dieser Bezugsnorm wird der Frage nachgegangen, „wie gut der Proband ein Lehrziel oder Kriterium erreicht hat“ (Klauer 1986, 86).

Die Gruppenarbeit ist eine hervorragende Methode, um die Sozialkompetenz bei den Lernenden zu fördern und allmählich auch zu steigern. Hier könnte die soziale Bezugsnorm greifen, indem das Leistungsergebnis einer Person mit den Leistungsergebnissen anderer Personen in Bezug gesetzt wird und es zur Vergabe von Rangplätzen kommt (Heckhausen 1989, 272). Die Personalkompetenz lässt sich vor allen Dingen an Hand eines Lerntagebuches, das mit entsprechenden Reflexionsaufgaben z. B. in Bezug auf Lernprozess und Lernergebnis ausgestattet ist, prüfen (Schneider 2003, 4ff). Hier greift die individuelle Norm, die aufgrund der zeitlichen Perspektive eine Aussage zu der jeweiligen Entwicklung eines Lernenden machen kann. Also: ob die Leistung besser geworden ist oder sich verschlechtert hat (Schneider, 2003, 7).

In unserer Lernsituation „Verhalten von Menschen mit Demenz als Lebensäußerung verstehen und eigenes Handeln reflektieren“ wurden folgende Methoden zur Förderung der beruflichen Handlungskompetenz realisiert:

Instrumente bzw. Methoden zur
Förderung und
Überprüfung von Teilkompetenzen

Charakterisierung

Kompetenz-schwerpunkte

Verortung in der Lernsituation

 

 

 

Gruppenarbeit

Formalisierte Selbst- und Fremdbeobachtung bei der Durchführung der Gruppenarbeit

Fachkompetenz
Sozialkompetenz
Methodenkompetenz
Personalkompetenz

Lerneinheit II
Lerneinheit III (Gruppenpuzzle)
Lerneinheit IV
Lerneinheit V

Präsentation

Selbstständige Erarbeitung und Präsentation
eines Produkts im Unterricht (in Einzel- oder Gruppenarbeit)

Fachkompetenz
Methodenkompetenz
Ggf. Sozialkompetenz

Lerneinheit II
Lerneinheit III
Lerneinheit IV

Protokoll

Selbstständige Zusammenfassung eines
Themas in Einzel- oder Gruppenarbeit

Fachkompetenz
Methodenkompetenz
Ggf. Sozialkompetenz

Lerneinheit II
Lerneinheit III
Lerneinheit IV

Rollenspiel

Reale Situationen, Probleme oder Konflikte werden in der Interaktion mit anderen Personen bearbeitet

Fachkompetenz
Sozialkompetenz
Methodenkompetenz

Lerneinheit IV
Nach Beendigung der Lernsituation

Erkundungsauftrag

Eine Lernaufgabe wird durch Erkundung der Praxis bearbeitet. Hierbei wird das in der Lernsituation erworbene Wissen angewendet und vertieft.

Fachkompetenz
Methodenkompetenz

Lerneinheit II
Lerneinheit III
Lerneinheit V
Lerneinheit IV

Praxisaufgabe

Eine berufliche Aufgabenstellung, die in der Lernsituation bearbeitet wurde, wird in der Praxis geübt, vertieft

Fachkompetenz
Methodenkompetenz
Sozialkompetenz
Personalkompetenz

Nach Beendigung der Lernsituation

Fallorientierte und fachsystematische Überprüfung anhand einer Klausur

Alle Lernenden arbeiten gleichzeitig an einer gleichen Aufgabenstellung
Dauer: 120 Minuten

Fachkompetenz
Methodenkompetenz

Nach Beendigung der Lernsituation

Lerntagebuch

 

Dokumentation und Reflexion der individuellen Arbeit in der Gruppe.
Formalisiertes Fachgespräch über Prozess und Ergebnis der individuellen Arbeit

Fachkompetenz
Methodenkompetenz
Sozialkompetenz
Personalkompetenz

Während der gesamten Lernsituation

 

 

Diese Methoden wurden in verschiedenen Lerneinheiten der Lernsituation zur Förderung der unterschiedlichen Teilkompetenzen eingesetzt.

 

Diese Instrumente der Lernerfolgskontrolle liegen für die oben genannte Lernsituation vor und können genutzt werden.

 

Für die Überprüfung der Fachkompetenz, aber auch der Methodenkompetenz, haben wir uns für eine Klausur entschieden. Die Klausur beinhaltet zwei Bearbeitungsformen: die fallorientierte und die fachsystematische Bearbeitung. Bei der Erstellung der Klausur wurden folgende Kriterien berücksichtigt:

  1. Die Niveaustufen für den kognitiven Bereich (verschiedene Schwierigkeitsstufen und die damit verbundene Vergabe der Punktzahlen)
  2. Die verschiedenen Aufgabentypen
  3. Die Berücksichtigung, dass lernschwache Schüler mit den Niveaustufen 1 und 2 noch ein „ausreichend“ erhalten können.

Zu 1:

Für die Niveaustufe 1 (Kenntnisse) werden für die Aufgabenstellung hauptsächlich z. B. die Verben aufzählen, beschreiben und eintragen verwendet.
Für die Niveaustufe 2 (Verstehen) werden für die Aufgabenstellung hauptsächlich z. B. die Verben einordnen, erklären, begründen verwendet.
Für die Niveaustufe 3 (Anwendung) werden für die Aufgabenstellung hauptsächlich z. B. die Verben demonstrieren, anwenden, konstruieren verwendet.
Für die Niveaustufe 4 (Analyse) werden für die Aufgabenstellung hauptsächlich z. B. die Verben ableiten, gegenüberstellen, klassifizieren verwendet.
Für die Niveaustufe 5 (Synthese) werden für die Aufgabenstellung hauptsächlich z. B. die Verben entwickeln, zusammenfügen, gestalten verwendet.
Für die Niveaustufe 6 (Beurteilung/Evaluation) werden für die Aufgabenstellung hauptsächlich z. B. die Verben beurteilen, Schlüsse ziehen, folgern verwendet.

Zu 2:

Da die Klausur zwei unterschiedliche Bearbeitungsformen beinhaltet, sind entsprechende Aufgabentypen ausgewählt worden. (Ebbinghaus, Schmidt 1999, 51-78)


A) Fallorientierte Bearbeitung

 Offene schriftliche Kurzantwortaufgaben
Bei einer offenen schriftlichen Aufgabenstellung kann der Lernende seine Ideen, Gedanken und sein Wissen in eigenen Worten wiedergeben. Durch den Hinweis „Kurzantwort“ wird er aufgefordert, seine Beschreibungen zu verdichten und möglichst in kurzer und knapper Form wiederzugeben. Dies ist häufig ein Problem für Lernende, da sie es nicht gewohnt sind, ihre Gedanken schriftlich, kurz und prägnant auf den Punkt zu bringen.

Halboffene schriftliche Kurzantwortaufgaben
Bei der halboffenen schriftlichen Aufgabenstellung sind durch den Beurteilungsmaßstab nur begrenzt inhaltliche Antworten möglich, die sich dann in einem bestimmten Erwartungshorizont bewegen. Bei diesem Aufgabentyp hat der Lernende selbst noch die Möglichkeit, Antwortmöglichkeiten für sich auszusuchen, die nicht vorgegeben sind; aber er bekommt einen Rahmen gesteckt, in dem er seinen Beantwortungsradius ausdehnen kann.


B) Fachsystematische Bearbeitung

 Offene schriftliche Kurzantwortaufgaben
s. oben
Halboffene schriftliche Kurzantwortaufgaben
s. oben

Umordnungsaufgabe
Die schriftliche Umordnungsaufgabe ist eine Aufgabe, bei der Antwortmöglichkeiten vorgegeben sind, die allerdings in einen neuen Zusammenhang gebracht werden müssen. Grundsätzlich werden drei Arten von Umordnungsaufgaben unterschieden:

  • Zuordnungsaufgabe

Hierbei müssen vorgegebene Antwortmöglichkeiten vorgegebenen Gruppen, Marginalien oder Elementen zugeordnet werden.

  • Reihenfolgeaufgabe

Hier müssen vorgegebene Antwortmöglichkeiten in eine logische Reihung bzw. Abfolge gebracht werden.

  • Vervollständigungsaufgabe

Hierbei müssen in einem vorgegebenen Text die semantischen Lücken durch vorgegebene Begriffe vervollständigt werden.

Schaubild erstellen

  • Mit vorgegebenem Text

Hier müssen anhand eines vorgegebenen Textes Schlüsselbegriffe ermittelt und benannt werden, die dann in einem Schaubild zu realisieren sind.

  • Mit vorgegebenen Begriffen (Strukturlegeplan)

Hier muss anhand von vorgegebenen Begriffen ein visualisiertes Bild bzw. eine Struktur gezeichnet bzw. entwickelt werden, damit durch vorgegebene, noch zu ergänzende Symbole (wie z. B. Pfeile) der systemische Kontext bzw. Gesamtzusammenhang erkennbar ist.


Ausgewählte Aufgabentypen für die Klausur:

Fallorientierte Bearbeitung

Aufgabentypen

Beispiele

  • Offene schriftliche Kurzantwortaufgabe

Analysieren Sie in wenigen Kurzsätzen, wie Schülerin Andrea und Frau Klewe die Situation jeweils für sich deuten.

  • Halboffene schriftliche Kurzantwortaufgabe

Benennen Sie drei nonverbale Kanäle, auf denen Frau Klewe kommuniziert und belegen Sie diese jeweils mit einem beobachtbaren Signal aus dem Fall.

Fachsystematische Bearbeitung

Aufgabentypen

Beispiele

  • Offene schriftliche Kurzantwortaufgabe

Pflegende haben die Aufgabe, den Bedürfnissen von Menschen mit Demenz nachzukommen. Beschreiben Sie in Bezug auf die Lebensaktivität Essen und Trinken, wie dieser Anspruch in die Praxis umgesetzt werden kann.

  • Halboffene schriftliche Kurzantwortaufgabe

Nennen Sie die zentralen psychischen Bedürfnisse von Menschen mit Demenz nach Tom Kitwood.

  • Umordnungsaufgaben:

- Zuordnungsaufgabe

 

- Vervollständigungsaufgabe

 

Nennen Sie die beiden häufigsten Typen der Demenz und ordnen Sie diese den aufgeführten Verlaufsformen zu.


In dem nachfolgenden Text über das Personsein von Menschen mit Demenz fehlen einige Wörter. Vervollständigen Sie den Text mit den unten aufgeführten Begriffen. Tragen Sie dazu die Begriffe in die entsprechende Lücke im Text ein: Mensch, Vertrauen
Anerkennung, positiv, Interaktion, respektiert

Personsein bedeutet von anderen Menschen _________ zu werden, von anderen Menschen _____________ zu erfahren und von anderen Menschen ____________ entgegengebracht zu bekommen. Kein _______ kann aus sich selbst heraus eine Person sein. Für das eigene Personsein benötigt der Mensch die _____________ wertschätzende ________________mit anderen Menschen.

  • Schaubild erstellen:

- Strukturlegeplan

 


Ordnen Sie folgenden Begriffe vor dem Hintergrund des person-zentrierten Ansatzes nach Kitwood zu einem logischen Strukturbild:

  • Positive Interaktionsformen
  • Negative Interaktionsformen
  • Psychische Bedürfnisse
  • Mensch mit Demenz
  • Pflegeperson
  • Beziehung

Stellen Sie zwischen den einzelnen Begriffen durch Pfeile inhaltliche Verbindungslinien her.


Zu 3:

Die Berücksichtigung der Niveaustufen 1 und 2 (Kenntnisse und Verstehen) wurde so vorgenommen, dass ca. die Hälfte der Aufgabentypen durch diese Taxonomiestufen repräsentiert wird. Damit lösen wir den Anspruch ein, dass lernschwächere Schüler eine realistische Chance erhalten, diese Aufgaben, die sich auf der Ebene des Aufzählens, Beschreibens, Eintragens oder aber Einordnens, Erklärens und zum Teil Begründens bewegen, beantworten können und damit eine Rückmeldung ihres Lernerfolges erhalten.

 

Literatur:
Depping, D. (2004): Pool von Prüfungsformen und Aufgabentypen. Unterricht Pflege 1/2004, 12-19
Ebbinghaus, M., Schmidt, J. U. (1999): Prüfungsmethoden und Aufgabenarten. Bielefeld: Bertelsmann.
Heckhausen, H. (1989): Motivation und Handeln (2. völlig überarbeitete und ergänzte Auflage). Berlin, Heidelberg, New York, London, Paris, Tokyo, Hongkong: Springer-Verlag.
Klauer, K. J. ((1986): Forschungsmethoden der Pädagogischen Psychologie. In: B. Weidenmann, A. Krapp, M. Hofer, G. L. Huber, H. Mandl (Hrsg.), München, Weinheim: Urban & Schwarzenberg, S. 73-95.
Schneider, K. (2003): Beurteilung und Bewertung – ein Spannungsbogen zwischen fördern und fordern. Unterricht Pflege 5/2003, 4-16

 


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