Wissenswertes zur Lerneinheit I: Gefühle und Handeln reflektieren


Wissenswertes / Handlungsschwerpunkt 1:
Gefühle aus unterschiedlichen Sichtweisen wahrnehmen


Hintergründe zur Konstruktion des Fallberichtes

Mögliche Ursachen für das Misslingen der Interaktion beim Essen und Trinken (Borker 2002, Schwerdt 2004, Wagener, Ulmer & Margraf 1999):

Mensch mit Demenz

Pflegeperson

Organisation

  • erkennt die Situation oder einzelne Dinge (Speisen, Getränke, Besteck) nicht (z.B. eingeschränkte Sehfähigkeit) (Agnosie)
  • kann Bewegungsabläufe, z.B. „Besteck nehmen, Essen zerkleinern, auf die Gabel füllen, Gabel zum Mund führen, schlucken, etwas trinken“, nicht in sinnvoller Weise ausführen (Apraxie)
  • erfasst die Bedeutung verbaler Aufforderungen nicht, sieht keinen Anreiz darin (z.B. aufgrund von Aphasie, Konzentrationsmangel)
  • ist irritiert über die Aufforderungen / Ermahnungen der Pflegeperson, fühlt sich behandelt wie „ein Kind“, empfindet Unwohlsein, Scham
  • kann aufgrund gesundheitlicher Probleme (schlecht sitzende Prothese, Verletzungen und Schmerzen im Mund) nicht essen
  • unterbricht die Essenssituation, um zwischendurch andere Dinge zu erledigen
  • gibt dem M.m.D. nicht ausreichend Zeit, um Handlungen entsprechend seinen Fähigkeiten auszuführen (unterschätzt und verkennt Ressourcen)
  • bestimmt sehr stark den Situationsablauf
  • greift den Rhythmus des Menschen mit Demenz. nicht auf
  • wendet überwiegend und wiederholt verbale Signale an, setzt keine oder wenig nonverbale Signale ein
  • gibt unterschiedliche, unklare, sich z.T. widersprechende Signale in schneller Abfolge
  • macht flüchtige, unachtsame Berührungen
  • nimmt nonverbale Signale der Bewohnerin nicht wahr bzw. greift diese nicht auf
  • unterscheidet nicht, ob der Menschen mit Demenznicht essen kann oder nicht essen will
  • sucht nicht nach Ursachen
  • bindet biografisches Wissen über die Nahrungsaufnahme nicht ein
  • störende Hintergrundgeräusche, z.B. Musik, viele umherlaufende Personen
  • „Speisesaalmilieu“: unüberschaubare Situation mit vielen Störquellen
  • zu viele Informationen (unübersichtliche Essenssituation mit zu vielen Speisen und Getränken)
  • mangelnde Anregung z.B. über Gerüche, fehlendes Eingebundensein in die Vorbereitung des Essens
  • häufig wechselnde Pflegepersonen

 

 

Hinweis zur Spalte Pflegeperson:
Die Aspekte gelten besonders für Hilfskräfte bzw. Pflegeanfänger; Pflegefachkräfte mit Erfahrung wenden durchaus kreative Problemlösungen an; allerdings zeigen Studien, dass vor allem Hilfskräfte oder Auszubildende mit der Unterstützung beim Essen und Trinken betraut werden.


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