Mögliche Lösungen zur Lerneinheit IV: Personsein fördern

Mögliche Lösungen Handlungsschwerpunkt 2:
Interaktionsformen erarbeiten


Beobachtungen zu den Interaktionsformen

Bei den nachfolgend aufgeführten möglichen Beobachtungsergebnissen wird unterschieden zwischen:

  • allgemein (wenn die Beobachtung während des Films immer wieder auftaucht)
  • konkreten Szenen (wenn die Beobachtung in einer konkreten Szene auftaucht)
  • Beobachtung (umfasst alle Aspekte, die direkt beobachtbar sind)
  • Deutung (beschreibt die mögliche Deutung der Beobachtung)

Lernende haben häufig Schwierigkeiten, zwischen Beobachtung und Deutung zu unterscheiden!

Beobachtungsergebnisse zu den positiven Interaktionsformen

Interaktionsformen

Erläuterungen

Beobachtungen während des Films und mögliche Deutungen

Anerkennen

Sich einem Menschen zuwenden, ihn beim Namen nennen und ihn beachten, ihm achtsam zuhören und seine Art der Kommunikation würdigen. Einen Menschen in Rollen, die dieser einst hatte (z. B. Hausfrau, Mutter, berufliche Rolle) wertschätzen und ihn beim Ausfüllen dieser Rollen unterstützen

Allgemein:

  • Die Bewohnerinnen werden von den Pflegenden mit ihrem Namen angesprochen.

Konkrete Szenen:

  • Die Bewohnerin Frau Lauer wird danach gefragt, wie sie früher Brot gebacken hat (Beobachtung), dadurch wird sie von der Pflegeperson in ihrer früheren Rolle als Hausfrau ergänzt (Deutung).

Verhandeln

Einer Person ein Stück Selbstbestimmung und Entscheidungsmacht ermöglichen, indem man ihre Wünsche, Vorlieben und Bedürfnisse erfragt bzw. erkennt und sich danach richtet.

 

 

Allgemein:

  • Die Pflegepersonen bieten den Bewohnerinnen Alternativen an; sie fragen, ob Kaffee oder Tee, Apfel- oder Pflaumenkuchen gewünscht wird, ob eine Bewohnerin trinken möchte oder nicht.

Konkrete Szenen:

  • Bei der Unterstützung beim Trinken (Teetasse halten bzw. führen) geht die Pflegeperson langsam und im Tempo der Bewohnerin mit (Beobachtung) und verhandelt so mit ihr über das Trinken, ohne Zwang auszuüben (Deutung).
  • Beim gemeinsamen Suppe-Essen spricht die Pflegeperson mit der Bewohnerin über das Essen: „Sie einen Löffel, ich einen Löffel“ bzw. „auf die Plätze, fertig, los“ (Beobachtung); auf diese Weise wird spielerisch über das Essen verhandelt (Deutung). (Überschneidung zwischen den Interaktionsformen „verhandeln“ und „zusammenarbeiten“).

Zusammenarbeiten

Eine Person darin unterstützen, selbsttätig zu sein, indem man mit ihr zusammenarbeitet und ihr Raum zum eigenen Handeln schafft. Einer Person ermöglichen, ihre eigenen Fähigkeiten einzubringen und sich selbst als nützlich und wertvoll wahrzunehmen.

 

Allgemein:

  • Bei verschiedenen hauswirtschaftlichen Aktivitäten, z. B. beim Kochen, aber auch beim Waschen oder Anziehen.

Konkrete Szenen:

  • Pflegeperson und Bewohnerin (Frau Neunziger) legen gemeinsam eine Decke zusammen. Allein schafft die Bewohnerin es nicht, die Decke zu falten, als jedoch die Pflegeperson an einem Ende der Decke mit anfasst, kann die Bewohnerin den Handlungsablauf ohne Schwierigkeiten ausführen (Beobachtung); durch die Zusammenarbeit mit der Pflegeperson wird der Bewohnerin eine Handlung möglich, welche sie allein nicht hätte ausführen können, sie kann ihre Ressourcen einbringen (Deutung).
  • Pflegeperson und Bewohnerin (Frau Schlichting) schälen zusammen Möhren für das Mittagessen. Dabei bestätigt die Pflegeperson die Bewohnerin in ihrem Tun („So ist völlig in Ordnung“) und bietet ihr Arbeitsteilung an („Ich schäle und Sie schneiden?“) (Beobachtung); durch die Bestätigung und die Vereinfachung der Aufgabe fühlt die Bewohnerin sich ermutigt, mit der Handlung fortzufahren (Deutung).
  • Zwei Bewohnerinnen legen gemeinsam mit einer Pflegeperson Mullbinden zusammen, sie rollen die Mullbinden dabei sehr sorgfältig auf (Beobachtung); die Bewohnerinnen nehmen ihre Aufgabe sehr ernst und können sich als nützlich erleben (Deutung).
  • Pflegeperson und Bewohnerin essen gemeinsam Suppe (siehe Interaktionsform verhandeln).

Timalation

Eine Person über verschiedene Sinneskanäle (sehen, hören, riechen, fühlen, schmecken) ansprechen und ihr signalisieren, dass sie wahrgenommen wird. Der Person zeigen, dass sie einbezogen ist und ihr dadurch Sicherheit und Wohlbefinden ermöglichen. Die verschiedenen Sinneskanäle bieten einen Zugang, wenn Worte versagen.

Allgemein:

  • Der Duft von Kaffe, Kuchen oder Mittagessen kann ein stimulierender Reiz für die Bewohnerinnen sein.

Konkrete Szenen:

  • Die Pflegeperson hält einer Bewohnerin (Frau Uhlig), die sich nicht mehr an der Gesprächsrunde beteiligen kann, die Hand (Beobachtung), der Gesichtsausdruck der Bewohnerin wirkt entspannt, durch den Kontakt zur Pflegeperson kann sich die Bewohnerin trotzdem einbezogen und beteiligt fühlen (Deutung).

Feiern

Einer Person Gelegenheit geben, zu feiern und sich zu freuen. Feiern ist ansteckend und genussvoll, es spricht die Gefühlsebene von Pflegepersonen und Menschen mit Demenz gleichermaßen an und stellt auf diese Weise emotionale Nähe her.

Konkrete Szenen:

  • Pflegepersonen und Bewohnerinnen singen gemeinsam in der Runde, dazu spielt eine Pflegeperson Gitarre. Eine Bewohnerin singt besonders kräftig mit und erzählt zwischendurch etwas aus ihrer Heimat (Beobachtung); die Bewohnerin fühlt sich durch das Lied an ihre Heimat erinnert, das Singen bereitet ihr Freude (Deutung)

Spielen

Einer Person ermöglichen, ohne Anspannung spielerisch zu handeln und Spaß zu haben. Der Person damit den Raum geben, spontan zu sein und etwas von sich selbst auszudrücken.
Das Spiel ist zweckfrei, und es geht dabei nicht um gewinnen oder verlieren, sondern darum, miteinander etwas zu tun.

Konkrete Szenen:

  • Pflegepersonen und Bewohnerinnen spielen gemeinsam in der Runde „Flaschen drehen“ mit der Aufgabe, angefangene Sprichworte zu ergänzen. Eine Pflegeperson sagt einen Satzanfang vor, eine Bewohnerin ergänzt sofort das Sprichwort (Beobachtung).
  • Eine Pflegeperson und Bewohnerinnen spielen Memory, dabei sind die Karten offen gelegt. Eine Bewohnerin (Frau Neunziger) lächelt während des Spielens (Beobachtung), sie ist mit Freude beim Spielen dabei (Deutung).

Entspannen

 

 

Einer Person ermöglichen, zur Ruhe zu kommen, zufrieden mit sich und der Situation zu sein und sich zu entspannen. Ein Mensch mit Demenz kann sich in der Regel besonders entspannen, wenn er sich aufgehoben fühlt, wenn andere Personen in der Nähe sind.

Allgemein:

  • Mehrere Bewohnerinnen werden gezeigt, die z. B. auf dem Sofa ruhen oder den Kopf in einer Hand gesenkt halten; ihr Gesichtsausdruck wirkt dabei ruhig und entspannt.

 

Beobachtungsergebnisse zu den negativen Interaktionsformen

Interaktionsformen

Erläuterungen

Beobachtungen während des Films

Ignorieren

Eine Handlung an einem Menschen „verrichten“, ohne tatsächlich einen Kontakt herzustellen oder den Menschen in die Handlung einzubeziehen; mit einem Gespräch oder einer Handlung fortfahren, als sei die Person nicht da.

Konkrete Szenen:

  • Zwei Pflegepersonen befinden sich im Zimmer einer Bewohnerin (Frau Bolzhausen). Während die eine Pflegeperson eine Blutzuckermessung bei der Bewohnerin durchführt, spricht sie mit ihrer Arbeitskollegin, die das Bett der Bewohnerin macht, über private Dinge. Die Bewohnerin versucht zwischenzeitlich, Kontakt herzustellen, indem sie den Blick auf die Pflegeperson richtet und etwas zu ihr sagt. Die Pflegepersonen halten jedoch keinen Blickkontakt mit der Bewohnerin und antworten nicht auf ihre Aussagen (Beobachtung); die Pflegepersonen beachten die Kontaktversuche der Bewohnerin nicht und beziehen sie in keiner Form in die Situation oder ihr Gespräch mit ein; die Handlung des Blutzuckermessens wird an der Bewohnerin wie an einem Objekt verrichtet (Deutung).

Überholen

Einem Menschen Informationen so schnell anbieten, dass er sich unter Druck gesetzt fühlt und nicht reagieren kann. Eine Person durch das eigene Tempo überholen, so dass diese ihre Ressourcen nicht nutzen kann.

Konkrete Szenen:

  • Eine Pflegeperson bringt einer Bewohnerin (Frau Bolzhausen) das Mittagessen. Während der Vorbereitungen spricht und handelt sie in einem sehr schnellen Tempo, stellt z. B. die Frage, ob die Bewohnerin Kartoffelsalat auf den Teller möchte und füllt ihn auf, ehe die Bewohnerin antwortet; während die Bewohnerin ihre Gabel betrachtet, nimmt ihr die Pflegeperson diese aus der Hand und beginnt, ihr die Serviette umzulegen (Beobachtung). Das Tempo der Pflegeperson ist so schnell, dass die Bewohnerin kaum Zeit hat, eigene Wünsche zu äußern und eigene begonnene Handlungen (nach einer Gabel greifen, Serviette umlegen) nicht ausführen kann. Die Pflegeperson nimmt der Bewohnerin die Möglichkeit, ihre Ressourcen zu nutzen (Deutung). (Überschneidung zwischen den Interaktionsformen „überholen“ und „unterbrechen“).
  • Eine Pflegeperson bringt einer Bewohnerin (Frau Friedrich) Kaffee und Kuchen. In sehr schnellem Tempo stellt sie verschiedene Fragen und macht unterschiedliche Angebote („Möchten Sie Kaffee, Wasser, Saft …“), die Bewohnerin antwortet auf die Fragen nicht. Während die Bewohnerin nach ihrer Gabel greift und beginnt, ihren Kuchen zu zerkleinern, nimmt ihr die Pflegeperson die Gabel aus der Hand und zerteilt den Kuchen (Beobachtung); das Tempo der Fragen und die Vielzahl der Angebote ist für die Bewohnerin zu unübersichtlich und überfordernd, so dass sie darauf nicht reagieren kann. Der Handlungsbeginn der Bewohnerin (nach der Gabel greifen und Kuchen zerkleinern) wird von der Pflegeperson unterbrochen und gestört (Deutung). (Überschneidung zwischen den Interaktionsformen „überholen“ und „unterbrechen“.)

Unterbrechen

Eine Person in einer Handlung oder Interaktion grob stören, ohne abzuwarten, bis die Handlung / Interaktion beendet ist. Der Person die Möglichkeit nehmen, ihre eigenen Ressourcen einzusetzen und selbsttätig zu sein.

 

Konkrete Szenen:

  • Während die Bewohnerin (Frau Bolzhausen) nach ihrer Gabel greift bzw. sich eine Serviette umlegt, nimmt die Pflegeperson ihr die Dinge aus der Hand und führt die Handlung weiter (Beobachtung); die Pflegeperson, die ein schnelleres Tempo als die Bewohnerin hat, unterbricht diese in ihrem eigenständigen Handlungsablauf (Deutung).
  • Während die Bewohnerin (Frau Friedrich) Kuchen zerkleinert, nimmt ihr die Pflegeperson die Gabel aus der Hand und führt die Handlung für sie aus (Beobachtung); die Bewohnerin hat keine Möglichkeit, die Handlung selbst zu Ende zu führen (Deutung).

(In den dargestellten Szenen gehen beide Interaktionsformen unmittelbar ineinander über, so dass möglicherweise Doppelungen in der Beobachtung entstehen.)

 

Literatur: Kitwood, T. (2000). Demenz. Der personenzentrierte Ansatz im Umgang mit verwirrten Menschen. Göttingen: Hans Huber. (S. 25-40). Morton, I. (2002). Die Würde wahren. Personenzentrierte Ansätze in der Betreuung von Menschen mit Demenz. Stuttgart: Klett-Cotta (S. 138-154). Welling, K. (2005). Interaktion in der Pflege von Menschen mit Demenz. Grundlagen für die Aus-, Fort- und Weiterbildung. Brake: Prodos Verlag (S. 22-23; 25). Videofilm: Personenzentrierte Pflege als Chance und Perspektive. Über den Umgang mit Verwirrten. Hannover: Vincentz (2002).


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