Mögliche Lösungen zur Lerneinheit II: Verwirrtheit und Verstörtheit verstehen

Mögliche Lösungen Handlungsschwerpunkt 2:
Auswirkungen auf die Lebensaktivität Essen und Trinken

 

Aktivitäten

Merkmale von Verwirrtheit bei Menschen mit Demenz

Auswirkungen auf die Lebensaktivität Essen und Trinken

Erinnern

Veränderungen im Kurzzeit- und später im Langzeitgedächtnis (Amnesie)

Amnesie des Kurzzeitgedächtnisses bewirkt z. B., dass der Mensch

  • vergisst zu essen
  • sich nicht erinnert, was es zum Essen gab
  • sich nicht erinnert, dass er gerade gegessen hat und behauptet, nichts zu essen bekommen zu haben
  • sich schwer auf den Prozess des Essens konzentrieren kann und vergisst, nach Ablenkung weiter zu essen
  • vergisst, einzukaufen bzw. vergisst, was er einkaufen wollte
  • vergisst die Herdplatte abzustellen

Amnesie des Langzeitgedächtnisses bewirkt z. B., dass der Mensch

  • den Handlungsablauf des Essens nicht mehr vollständig abrufen kann (das Brötchen aufschneiden, die Butter aufstreichen, die Wurst auflegen, das Brötchen zum Mund führen usw.)
  • sich nicht mehr erinnert, wie Speisen zubereitet werden (Eier kochen, Kuchen backen, Kaffee kochen)
  • sich nicht mehr erinnert, was er besonders gerne isst. Angenehme Assoziationen des Essens sind ihm abhanden gekommen; das Essen verliert seine symbolische Bedeutung
  • sich nicht mehr an die Funktion des Bestecks erinnert und mit den Fingern isst
  • Essen versteckt und / oder hortet

Orientieren

Veränderungen in Bezug auf die Orientierung zur Zeit, zum Raum / Ort, zur Situation und zur eigenen Person (Desorientierung)

Desorientierung bewirkt z. B., dass der Mensch

  • nicht weiß, wann Essenszeiten sind (Frühstückszeit, Mittagessenszeit, Abendbrotzeit)
  • nicht weiß, welche Speisen er üblicherweise zum Frühstück, zum Mittagessen und zum Abendessen isst
  • nicht weiß, wo der Speiseraum oder sein Sitzplatz ist
  • auch nach Erklärung den Speiseraum nicht findet
  • Essenssituationen als solche nicht erkennt und immer wieder beim Essen aufsteht
  • die gesamte Essenssituation nicht überblickt und in ihren Gesamtzusammenhang einordnen kann (Beginn und Ende der Mahlzeit; die verschiedenen Menüfolgen: Vorspeise, Hauptspeise, Nachspeise; die Bedeutung von Besteck, Tasse, Teller und Schüsseln)
  • meint, jetzt arbeiten zu müssen und keine Zeit zum Essen hat
  • vergisst, dass er Hunger / Durst hat
  • sich nicht mehr erinnert, was er besonders gerne isst, was er früher gerne gegessen bzw. gekocht hat
  • die symbolische Bedeutung bestimmter Speisen nicht mehr erinnern kann (Eier zu Ostern, Gans zu Weihnachen, sonntags Braten, freitags Fisch)

Erkennen

Veränderungen beim (Wieder-) Erkennen von Gegenständen, Personen, Gesichtern und Abläufen (Agnosie)

Agnosie bewirkt z. B., dass der Mensch

  • Gegenstände, die er zum Essen benötigt (z. B. Besteck, Teller, Serviette) nicht als solche erkennt; nicht weiß wie sie heißen und wie man sie richtig benutzt (z. B. versucht, mit einem Löffel ein Brötchen aufzuschneiden)
  • nicht Essbares isst (z. B. versucht, einen Medikamentenbecher zu essen)
  • den Handlungsablauf des Essens nicht erkennt und das Getränk ins Essen schüttet, statt das Glas zum Mund zu führen; die Butter auf die Serviette schmiert, statt auf das Brot
  • die Nahrung nicht beachtet oder den Tisch verlässt oder das Essen auf dem Tisch verteilt
  • dem Tischnachbarn das Essen anreicht, statt selbst zu essen
  • das Glas immer wieder selbst nimmt, obwohl er jeweils die Hälfte verschüttet
  • Körpersignale nicht als Hunger / Durst oder Sättigung erkennt
  • Angehörige oder Pflegepersonen, die ihn beim Essen unterstützen wollen, nicht als solche erkennt

Sprechen

Veränderungen bei der sprachlichen Verständigung (Aphasie)

Aphasie bewirkt z. B., dass der Mensch

  • den Hinweis, dass es Essen gibt, nicht versteht.
  • den Wunsch nach Essen oder Trinken oder Beendigung der Mahlzeit nicht (verständlich) formulieren kann.
  • nicht (verständlich) äußern kann, was er mag oder nicht mag, ob das Essen zu heiß, zu kalt, zu salzig, zu scharf ist
  • sagt, dass er Durst hat, aber nicht trinken will
  • wütend wird, weil er nicht bekommt, was er möchte.

Handeln

Veränderungen bei der Durchführung von Bewegungen und Handlungen (Apraxie)

Apraxie bewirkt z. B., dass der Mensch

  • eine verbale Aufforderung, z. B. den Löffel zu nehmen und ihn zum Mund zu führen, nicht in Handlung umsetzen kann
  • die vorgemachte Handlung, z. B. das Glas zum Mund zu führen, nicht nachmachen kann
  • den Löffel so dreht, dass die Suppe herunterläuft
  • das Brötchen durchschneidet, Marmelade auf das Brötchen streicht und es dann in den Kaffee tunkt
  • nicht von sich aus mit dem Essen beginnt
  • während des Essens mit dem Essen aufhört und nicht weiter isst bzw. erst nach Aufforderung weiter isst
  • den Mund nur bei direktem Kontakt mit dem Löffel öffnet
  • das Essen / Trinken nicht herunterschluckt
  • Messer und Gabel nicht gleichzeitig benutzt
  • auf den Löffel beißt
  • die Lippen fest zusammenpresst
  • durch ständige Zungen- und Lippenbewegungen nicht essen kann
  • die Nahrung in den Mund nimmt und sie wieder ausspuckt oder nicht den Mund schließt, so dass die Nahrung wieder heraus fließt

Denken

Veränderungen im abstrakten Denken

Veränderungen im abstrakten Denken bewirken z. B., dass der Mensch

  • komplexe Aufgaben, wie Einkaufen oder Kochen nicht selbsttätig lösen kann
  • Lebensmittel nicht mehr vorausschauend einkaufen kann (z. B. eine Einkaufsliste für die nächste Woche festlegen oder beim Einkaufen darüber nachdenken, was er für das heutige Abendessen benötigt)
  • nicht nach Rezept kochen kann oder ein Rezept abändern kann (z. B. die Mengenangaben von vier Personen auf zwei Personen reduzieren)
  • nur schwer oder gar nicht zwischen alternativen Speiseangeboten wählen kann
  • mehrere Informationen (z. B. Essen und während des Essens Medikamente einnehmen) nicht mehr zusammenbringen kann

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