Methodenpool: Erarbeitung
Textarbeit und Textanalyse


Methode: Textarbeit und Textanalyse

Ziel

Mit dem Einsatz der Methode „Textarbeit“ und „Textanalyse“ wird der selbstständige Umgang mit Fachliteratur gefördert. Hierbei geht es um ein effektives Lesen von Fachtexten, mit Hilfe denen sich der Lernende einen Sinnzusammenhang selbst erschließt. Dabei wird das eigene Vorwissen mit einer Fragestellung und neuen, textimmanenten Inhalten verknüpft.
Durch die Analyse einzelner Sinnschichten eines Textes werden unterschiedliche Verstehensarten der Schüler gefördert:

  • logisches Verstehen (Sachgehalt des Textes)
  • psychologisches Verstehen (Beziehungsgehalt des Textes)
  • szenisches Verstehen (Art und Weise, wie der Text geschrieben ist)
  • tiefenhermeneutisches Verstehen (nicht direkt deutliche Intentionen und Vorstellungen)

Vorgehensweise und Sozialform

Nachfolgend wird zunächst die Vorgehensweise einer Textarbeit beschrieben und im Anschluss daran die der Textanalyse. Beide Methoden lassen sich sowohl isoliert voneinander als auch miteinander kombiniert im Unterricht einsetzen.

Schritt I: Textarbeit
Der Lernende erhält von der Lehrperson Fachliteratur sowie eine Lernaufgabe zu einem bestimmten Thema (bei fortgeschrittener Methodenkompetenz können die Lernenden geeignete Literatur selbst suchen und auswählen).
Anhand der folgenden Schritte wird der Text in Einzelarbeitbearbeitet:

Überfliegen des Textes
Hierbei geht es darum, in möglichst kurzer Zeit einen Gesamtüberblick über den Text zu gewinnen. Zunächst werden markante Stellen erfasst (z. B. Überschriften, Einleitungen, Zusammenfassungen, Tabellen, Grafiken). So wird ein späteres Einordnen des Gelesenen erleichtert. Besonders interessante Abschnitte können kurz „angelesen“ werden.

Fragen an den Text stellen
Bei diesem Schritt geht es darum, auf der Basis des eigenen Vorwissens und Verständnisses Fragen an den Text zu stellen bzw. sich vorgegebene Fragen aus dem Arbeitsauftrag zu vergegenwärtigen. Mögliche Fragen können z. B. sein:

  • Was ist die Intention des Verfassers?
  • Worin besteht der Kern seiner Aussagen?
  • Mit welchem Vorwissen kann der Text in Beziehung gesetzt werden?

Gründliches, konzentriertes Lesen
Jetzt wird der Text Absatz für Absatz gelesen. Dabei markiert der Lernende alle ihm wichtig erscheinenden Stellen sowie Begriffe und Schlüsselwörter, die für das Textverständnis besonders wichtig sind. Es eignen sich dabei insbesondere:

  • Markierungen im Text mit z. B. unterschiedlichen Farben
  • Markierungen am Rand (z. B. != wichtig, + = gut, ? = fragwürdig/unklar, Def. = Definition, Bsp. = Beispiel, Lit. = Verweis auf andere Literatur)
  • Unbekannte Begriffe werden nachgeschlagen.

Wiedergabe des Textes
Zunächst werden die Kernaussagen und Schlüsselbegriffe vor dem Hintergrund der im Vorfeld formulierten Fragen durch eine Auflistung erfasst. Eigene Notizen können ergänzend hinzugefügt werden.
Nun ordnen die Lernenden die Begriffe inhaltlich zu. Dies kann durch eine Visualisierung der Zusammenhänge, z. B. mit Hilfe einer Skizze oder eines Mind-Maps, erleichtert werden.

Schritt II: Textanalyse
Der Text selbst
Der Text wird zunächst laut vorgelesen. Anschließend werden folgende Fragen beantwortet:

  • In welchem Ton wurde der Text vorgelesen?
  • In welchem Ton könnte er außerdem vorgelesen werden?
  • Besteht ein Zusammenhang zwischen dem Vorleseton und dem Thema/ Inhalt des Textes?

Die Lernenden teilen sich nun in Kleingruppen auf und sprechen darüber, wie sie den Text verstanden haben. Dazu gehen sie auf folgende Fragen näher ein:

  • Was sind meine ersten Eindrücke während des Lesens gewesen?
  • Was soll mit dem Text mitgeteilt werden? Welche Absicht steht dahinter?

Im Anschluss daran bieten sich weitere Verarbeitungsmöglichkeiten an. Die Lernenden

  • suchen eine andere Überschrift
  • geben Abschnitt für Abschnitt mit eigenen Worten wieder
  • formulieren das Thema des Textes in einem eigenen Stil
  • schreiben den Text auswendig auf und vergleichen die eigene Fassung mit der originalen
  • schreiben den Text neu: so, wie er ihrer Meinung nach hätte geschrieben werden können

Der Kontext
Die Lernenden vergegenwärtigen sich, in welchem Kontext der Text steht. Sie beantworten außerdem folgende Fragen:

  • Kann man daraus Rückschlüsse auf die Intention des Verfassers ziehen?
  • In welchen anderen Kontext könnte der Text passen?

Die Situation des Textes
Hierbei gehen die Lernenden auf folgende Fragen ein:

  • In welches Situation wurde der Text verfasst und mit welcher Absicht (aus Sicht des Autors, seiner Zeitgenossen, heutiger Zeitgenossen)?
  • Was waren/sind die Bedingungen, unter denen der Text geschrieben, bekannt geworden und verbreitet worden ist?

Zeitaufwand

Der Zeitaufwand richtet sich nach Umfang und Schwierigkeitsgrad des Textes. Je öfter die Methode Textarbeit als aktive Leseform im Unterricht angewendet wird, desto schneller sind die Lernenden in der Lage, den Inhalt zu erfassen.
Für die Textanalyse müssen ca. 40 bis 60 Minuten eingeplant werden.

Material

  • Text und Lernaufgabe

Hinweise

Wichtig ist bei einer Textbearbeitung, dass jeder Lehrende sein individuelles, einmal eingeübtes Markierungssystem beibehält.
Mit der tiefenhermeneutischen Textanalyse sollen, neben dem meist schnell ersichtlichen Sinngehalt eines Textes, vor allem auch Vorstellungen und Fantasien bewusst werden. Dazu werden bestimmte Fragen an den Text gestellt, durch die die Aufmerksamkeit auf verschiedene Sinnschichten gelenkt wird.
Je nach Text kann der Lehrende Fragen vorbereiten, die sich auf die Analyse aller oder einzelner Sinnschichten beziehen. Die oben dargestellten Fragen sollen hierfür eine Auswahl darstellen.
In jedem Fall ist es wichtig, dass die Lernenden sich bei einer Textanalyse zunächst darüber austauschen, wie sie den Text verstanden haben, da in der Regel fast jeder ein anderes Verständnis darüber hat.

Literatur

Gugel, G. (2004): Methoden-Manual I – „Neues Lernen“. Tausend Praxisvorschläge für Schule und Lehrerbildung (4. Auflage). Weinheim und Basel: Beltz, 137-141.
Herder, B. (2004): Texte „lesen“ – eine notwendige Kompetenz. Unterricht Pflege, Heft 4, 11-17.
Jecht, H., Sgonina, S. (1998): Lernen und arbeiten in Ausbildung und Beruf. Methodenheft für den handlungsorientierten Unterricht. Darmstadt: Winklers Verlag Gebrüder Grimm, 8-11.
Klippert, H. (1999): Methoden Training. Übungsbausteine für den Unterricht (10., unveränderte Auflage). Weinheim, Basel: Beltz, 103-108.

 


Startseite

Download




 Zum Seitenanfang    © BMFSFJ

Impressum